Posts

Der perfekte Tango

Bild
In diesem Blog Beitrag geht es um ein sehr persönliches Erlebnis. Ich habe am letzten Freitag tatsächlich den perfekten Tango erlebt. Besser kann ein Tanz nicht werden! Das war für mich eine absolut überwältigende Erfahrung, die ich hier mit euch teilen möchte. An diesem Abend war ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin und Tanzpartnerin auf einer Milonga im Staatstheater in Wiesbaden. Dort gibt es ungefähr alle zwei Monate eine Milonga, bei der immer auch ein Live Orchester spielt. An diesem Freitag gab es allerdings einen kleinen Unterschied zu allen anderen Auftritten von Live Orchestern, die ich bisher erlebt habe: Es hat nicht nur das gesamte Orchester mehrere Sets gespielt, sondern es gab auch zwei Solo-Einlagen, einmal vom Bandoneon und einmal von der Gitarre.  Dieses Lied, das von der Gitarre gespielt wurde, war ein bekannter traditioneller Tango, sodass meine Tanzpartnerin und ich beschlossen, dass wir darauf tanzen wollen. Alle anderen Teilnehmer der Milonga wollten aller...

Ladies First

Ich habe diesen Punkt schon in einigen Artikeln kurz erwähnt, aber immer nur in einem Nebensatz. Er ist aber so wichtig, dass ich ihm einen eigenen Blog Beitrag widmen möchte. Es geht um die Bedeutung der Damenschritte für den Führenden. Einfach gesagt: Die Damenschritte muss ich als Führender sowieso kennen. Wie soll ich eine Folgende führen, wenn ich nicht weiß, was ich von ihr haben will? Anders ausgedrückt: Gute Führung bedeutet nicht, die eigenen Herrenschritte zu beherrschen. Gute Führung bedeutet, die Führung der Damenschritte der Folgenden zu beherrschen. Eigentlich ist diese Erkenntnis recht offensichtlich, auch wenn sie von einigen Führenden nicht immer so umgesetzt wird. Und bisher wurde dieser Punkt auch noch in keinem Tango Unterricht, an dem ich teilgenommen habe, so explizit ausgesprochen. Darum also dieser Beitrag. Im Einzelnen: Meine Aufgabe als Führender ist es, die Folgende dazu zu bringen, bestimmte Schrittfolgen zu machen, die letztlich die Figuren ergeben, die nac...

Eine Schritt-für-Schritt Anleitung

Bild
Eigentlich möchte ich in diesem Blog keine Technik-Tipps geben. Aber ein bestimmtes Detail hat so viel an meinem Tanzstil verbessert, dass ich doch darüber schreiben muss. Insbesondere, weil dieser Punkt nach meinen Erfahrungen im Tango Unterricht nie explizit thematisiert wird. Es geht um Herren- und Damenschritte. Genauer: Es geht um das Bewusstsein, mit dem ich über Herren- und Damenschritte nachdenke. Die meisten Tänzerinnen und Tänzer nehmen an, dass diese ähnlich funktionieren und darum auch gleichartig getanzt werden. Aber leider ist das Gegenteil richtig: Herren- und Damenschritte haben beim Tango Argentino völlig unterschiedliche Aufgaben und werden daher auch vollkommen unterschiedlich getanzt. Wenn man sich als Führender dieses Unterschiedes bewusst ist, dann vereinfacht das die Führung enorm und der gesamte Tanz als Paar wird deutlich fließender. Und neue Figuren lassen sich auch viel leichter erlernen. Der grundsätzliche Ablauf eines Schrittes im Tango Argentino ist wie fo...

Tradition und Moderne : Die Musik

Bild
Leider zieht sich ein großer Riss durch die Tango-Community. Dieser Riss spaltet die Tango Tänzer zwischen "Traditionalisten" und "Modernen". Grob vereinfacht gesagt: Die Traditionalisten akzeptieren nur die Musik der goldenen Epoche (Epoca de Oro / EdO) als einzig mögliche Musik, auf die man Tango tanzen kann. Die Modernen dagegen akzeptieren alle mögliche Musik, insbesondere auch so genannte "Non-Tango", wenn man darauf nach ihrer Ansicht Tango tanzen kann. Also im Prinzip alles, was im 4/4, 3/4 oder 4/8 Takt gespielt wird. In diesem Artikel stelle ich meine Sicht auf die Musik dar, wie üblich ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Wahrheit. Dabei habe ich eine etwas differenziertere Sicht auf die Welt und ich plädiere für etwas mehr Toleranz auf beiden Seiten. Ich sehe die folgende Aufteilung: Die traditionelle Tango Musik steht im Kern. Die schlechte Nachricht für die Modernen: Man muss sie einfach kennen, um den Tango zu verstehen. Ohne...

Eine Frage der Prioritäten

In der Einleitung zu diesem Blog habe ich kurz skizziert, worum es nach meinem Verständnis beim Tango Argentino geht: Tango Argentino ist ein kreativer künstlerischer Prozess, bei dem ein Tanzpaar Musik in Bewegung umsetzt. Dieser Prozess basiert dabei auf drei Säulen: Meinen eigenen Fähigkeiten (als Führender), meiner Tanzpartnerin, der Musik. Ziel des kreativen Prozesses ist es, passend zur Musik zu tanzen und dabei als Paar zu harmonieren (und nicht, sich als einzelner Tänzer zu profilieren!). In diesem Beitrag möchte ich diese drei Säulen näher erläutern und dabei insbesondere die Prioritäten zwischen ihnen klarstellen. Ich schreibe diesen Beitrag, weil diese Säulen nach meiner Erfahrung im normalen Tango Unterricht gar nicht explizit erwähnt werden. Und selbst wenn irgendwie intuitiv klar ist, dass diese drei Elemente beim Tanzen eine Rolle spielen, dann ist nach meinen Beobachtungen auf Milongas vielen Führenden die Priorität zwischen diesen drei Elementen nicht klar. Wa...

Tradition und Moderne : Der Tanzstil

Im Tango Argentino gibt es viele Tanzstile, die sich stark unterscheiden. Die vier wichtigsten sind dabei: Milonguero Style: Hier wird sehr eng getanzt. Der Kopf- und der Schulterbereich der Folgenden wird am Oberkörper des Führenden fixiert und bewegt sich während des Tanzens keinen Millimeter. Besonders geeignet für kleine Schritte und gegangene Figuren, insbesondere gegangene Drehungen. Tango de Salon: Der Stil, der normalerweise im Tango Unterricht gelehrt wird. Erlaubt eine flexible Umarmung und offene Figuren. Tango Escenario / Showtanz: Anstelle der Improvisation werden abgesprochene und eingeübte Choreographien getanzt. Da das Paar viel Platz hat, können sehr raumgreifende und auch artistische Figuren wie zum Beispiel Hebefiguren getanzt werden. Tango Nuevo / Neo-Tango: Die traditionellen Figuren werden erweitert um andere Bewegungselemente, zum Beispiel um Figuren, die komplett ohne Umarmung getanzt werden oder um fließende Bewegungen, die aus dem Tai Chi entlehnt sind. Yannik...

Der Maestro kommt!

Ihr kennt das wahrscheinlich auch: Ihr tanzt schon seit 5 (oder 10 oder 20) Jahren Tango. Ihr fühlt euch sicher in der Milonga, und eure Tanzpartnerinnen tanzen gerne mit euch. Ihr seid also eigentlich ganz zufrieden. Im Unterricht lernt ihr allerdings nur noch wenig bis gar nichts dazu. Vielleicht habt ihr sogar mit dem regelmäßigen Unterricht aufgehört, weil er euch nicht mehr weiter bringt. Aber nun kommt die Gelegenheit, mehr zu lernen: In eurer Heimatstadt hat sich ein echter Maestro angekündigt. Natürlich aus Argentinien!  Er bietet sowohl Workshops als auch Einzelunterricht an. In den Workshops geht es um die Dinge, die in eurem Unterricht bisher immer zu kurz gekommen sind: Sacadas, Colgadas usw. Toll! Ihr nehmt natürlich alles, was ihr kriegen könnt und bucht sowohl die Workshops als auch den Einzelunterricht. Irgendwann kommt dann der große Tag, an dem ihr dem Maestro persönlich die Hand schütteln könnt. Ihr seid glücklich. Und dann setzt die harte Realität ein. Der Works...