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Tradition und Moderne : Der Tanzstil

Im Tango Argentino gibt es viele Tanzstile, die sich stark unterscheiden. Die vier wichtigsten sind dabei: Milonguero Style: Hier wird sehr eng getanzt. Der Kopf- und der Schulterbereich der Folgenden wird am Oberkörper des Führenden fixiert und bewegt sich während des Tanzens keinen Millimeter. Besonders geeignet für kleine Schritte und gegangene Figuren, insbesondere gegangene Drehungen. Tango de Salon: Der Stil, der normalerweise im Tango Unterricht gelehrt wird. Erlaubt eine flexible Umarmung und offene Figuren. Tango Escenario / Showtanz: Anstelle der Improvisation werden abgesprochene und eingeübte Choreographien getanzt. Da das Paar viel Platz hat, können sehr raumgreifende und auch artistische Figuren wie zum Beispiel Hebefiguren getanzt werden. Tango Nuevo / Neo-Tango: Die traditionellen Figuren werden erweitert um andere Bewegungselemente, zum Beispiel um Figuren, die komplett ohne Umarmung getanzt werden oder um fließende Bewegungen, die aus dem Tai Chi entlehnt sind. Yannik

Der Maestro kommt!

Ihr kennt das wahrscheinlich auch: Ihr tanzt schon seit 5 (oder 10 oder 20) Jahren Tango. Ihr fühlt euch sicher in der Milonga, und eure Tanzpartnerinnen tanzen gerne mit euch. Ihr seid also eigentlich ganz zufrieden. Im Unterricht lernt ihr allerdings nur noch wenig bis gar nichts dazu. Vielleicht habt ihr sogar mit dem regelmäßigen Unterricht aufgehört, weil er euch nicht mehr weiter bringt. Aber nun kommt die Gelegenheit, mehr zu lernen: In eurer Heimatstadt hat sich ein echter Maestro angekündigt. Natürlich aus Argentinien!  Er bietet sowohl Workshops als auch Einzelunterricht an. In den Workshops geht es um die Dinge, die in eurem Unterricht bisher immer zu kurz gekommen sind: Sacadas, Colgadas usw. Toll! Ihr nehmt natürlich alles, was ihr kriegen könnt und bucht sowohl die Workshops als auch den Einzelunterricht. Irgendwann kommt dann der große Tag, an dem ihr dem Maestro persönlich die Hand schütteln könnt. Ihr seid glücklich. Und dann setzt die harte Realität ein. Der Workshop

Wie lerne ich eine neue Figur?

Ich habe  im vorigen Blog-Eintrag den Unterschied zwischen dem "Figur-zentrierten" und dem "Paar-zentrierten" Tango erläutert. In diesem Blog-Eintrag möchte ich den Unterschied zwischen den beiden Tanzstilen an einem anderen Beispiel erläutern: Wie lerne ich eine neue Figur? Im Figur-zentrierten Tango besteht eine Figur aus Herrenschritten und aus Damenschritten. Als Führender muss ich also zunächst einmal die Herrenschritte lernen. Wenn ich diese beherrsche und meine Dame auch die Damenschritte beherrscht, dann können wir zusammen die neue Figur tanzen. Und zwar genau so, wie sie uns gezeigt wurde, und auch in genau dem Tempo, in dem sie abläuft. Im Paar-zentrierten Tango ist die Logik dagegen genau anders herum: Als Führender muss ich als erstes ich die Damenschritte verstehen. Also die Frage beantworten: Was soll die Folgende tun? Dann muss ich mir überlegen, wie die dazu passende Führung aussieht. Also die Frage beantworten: Wie erreiche ich, dass sie das tut,

Figur-zentrierter Tango vs. Paar-zentrierter Tango

Dieser Beitrag wird etwas länger. Die wesentlichste Erkenntnis meiner "Erleuchtung" im Herbst 2021 besteht darin, dass es im Tango Argentino zwei vollkommen unterschiedliche Tanzstile gibt. Die beiden Tanzstile teilen zwar dasselbe Vokabular und dieselbe Technik, aber sie unterscheiden sich fundamental in der Art des Tanzes. Ich werde diese beiden Tanzstile im Folgenden als "Figur-zentrierten Tango" bzw. "Paar-zentrierten Tango" bezeichnen und die Unterschiede zwischen den beiden Tanzstilen erklären. Übertreibungen sind nicht absolut gemeint, sondern dienen lediglich der Verdeutlichung.  Nach der Erleuchtung bestand meine Arbeit im Wesentlichen darin, meinen Tanzstil komplett umzustellen, vom Figur-zentrierten Tango hin zum Paar-zentrierten Tango. Diese Umstellung hat mehr als ein halbes Jahr sehr intensiver Tanzarbeit benötigt. Der Figur-zentrierte Tango Ausgangslage Das zentrale Element des Figur-zentrierten Tango ist die Figur . Das Ziel eines Tango-Tän

Musikalität im Tango Argentino

Ich habe schon in vielen Tango Workshops von Teilnehmern den Wunsch gehört, dass sie etwas über Musikalität im Tango erfahren wollen. Die Antwort der Lehrer war meistens sinngemäß, dass man erst einmal die perfekte Technik braucht, bevor man sich mit diesem Thema näher beschäftigen kann. Und man braucht auch ein umfangreiches Repertoire von rhythmischen und melodischen Figuren, aus dem man für die jeweilige Musik die passenden Figuren auswählen kann. Diesen Ansatz halte ich für maßlos übertrieben und ausgesprochen kontraproduktiv. So wird Musikalität eher verhindert als gefördert. Mir hat das folgende Vorgehen geholfen mich weiterzuentwickeln: Voraussetzung für Musikalität ist, dass man sich von den Figuren löst. Jeder Schritt wird geführt und die Folgende erwartet keine Figuren sondern tanzt jeden Schritt genau so, wie er geführt wird. Insbesondere gibt es keine Vorgaben, in welchem Tempo ein Schritt getanzt wird. Jeder Schritt kann beschleunigt oder verzögert werden. Und auch Pausen

Einleitung

In diesem Blog möchte ich einige Gedanken zum Tango Argentino festhalten, die ich so noch nirgendwo gelesen habe. Diese Gedanken zu formulieren und mir dadurch bewusst zu machen, hilft mir, meinen Tanzstil zu verändern und zu verbessern. Dabei geht es mir nicht um bestimmte technische Aspekte. Diese werden in vielen anderen Blogs und Videos erklärt. Es geht mir vielmehr um den Kern des Tango Argentino als Paartanz und als kreativer künstlerischer Schaffensprozess. Dieser Prozess basiert dabei auf drei Elementen: Meinen eigenen Fähigkeiten, meiner Tanzpartnerin, der Musik. Ziel des Prozesses ist es, passend zur Musik zu tanzen und dabei als Paar (nicht als einzelner Tänzer!) zu harmonieren.  Zu meinem Hintergrund: Ich tanze seit Herbst 2015 Tango Argentino, und zwar ausschließlich als Führender. Aber ich habe erst Ende 2021 verstanden, was den Tango Argentino ausmacht und was mir daran Spaß macht. Dieser Zeitpunkt ist für mich "die Erleuchtung", die einen gewaltigen Unterschie