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Die Kunst der Improvisation

Einleitung Tango gilt als ein Tanz, in dem es (im Gegensatz zu den meisten anderen Tänzen) weniger auf konkrete Figuren ankommt als vielmehr darauf, dass beim Tanzen improvisiert wird. Die Kunst der Improvisation ist damit eine der wichtigsten Fähigkeiten, über die ein guter Tangotänzer verfügen sollte. Trotzdem wird häufig beklagt, dass nur sehr wenige Tangotänzer über diese Fähigkeit verfügen. Siehe zum Beispiel die Blog Beiträge von  Gerhard Riedl "Bevorzugt wird das  langweilige Mittelmaß , welches brav das halbe Dutzend der üblichen Schrittkombinationen mithampelt. Das ist recht gemütlich und risikoarm." oder von  Jochen Lüders   "Zwar ist es ein alter Mythos und gutes Marketingargument, dass Tango „kreativ“ sei und man(n) ständig „improvisieren“ würde, aber ein Blick auf eine beliebige Tanzfläche zeigt schnell, wie absurd diese Behauptung ist. Das Schritt- bzw. Figurenrepertoire der allermeisten Paare lässt sich an zwei Händen abzählen, je konservativer getanzt...

Technik zum Wohlfühlen

In den letzten Tagen habe ich aus zwei unterschiedlichen Quellen Impulse bekommen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Das Ergebnis dieses Nachdenkens möchte ich Euch in diesem Blog Beitrag präsentieren. Der erste Impuls stammt aus dem Buch  Tangofulness von Dimitris Bronowski . Dimitris sagt, dass Dinge oder Tätigkeiten wichtiger werden, wenn sie für uns eine Bedeutung haben. So stellt er zum Beispiel auf Seite 28 fest, welche Bedeutung der Tango für ihn hat:  An diesem Abend habe ich die Bedeutung meiner Umarmung gefunden: Eine heilende Umarmung. Dank dieser einfachen Bedeutung konzentrierte ich mich darauf, eine Umarmung zu entwickeln, die sowohl die Kraft hat, die Person vor mir als auch mich selbst zu heilen. Ganz ehrlich: Der Anspruch ist mir ein paar Nummern zu groß, und er passt zumindest in meiner Umgebung nicht so wirklich: Die Frauen, die mit mir Tango tanzen, wollen normalerweise nicht von mir geheilt werden. Und wenn sie Heilung brauchen, dann sollte diese Hei...

Wieviel muss ich vom Tango verstehen um guten Tango zu tanzen?

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Ich bin ja relativ neu in der Welt des Tangos und stehe gerade vor einer Frage, die ich selber nicht beantworten kann. Deswegen hoffe ich, dass ihr erfahrenen Tango Tänzer dort draußen mir ein paar Hinweise geben könnt. Es geht um die Frage: Was macht meinen Tango Tanz wirklich besser? Also nicht besser im Sinne der Technik, sondern besser im Sinne von "musikalischer", "erfüllender", "passender", sodass er meinen Tanzpartnerinnen und mir mehr Freude macht. Es gibt sehr viele Themengebiete, die ich mir näher ansehen könnte, aber ich weiß nicht, welche Themen ich vertieft studieren sollte, um ein besserer Tango Tänzer zu werden. Die folgende Liste ist wahrscheinlich unvollständig, aber das sind zumindest einige der Themen, die mir bisher als Kandidaten aufgefallen sind. Wenn ihr weitere interessante Themengebiete kennt, dann lasst es mich bitte wissen. Die Orchester Ja, ich kann inzwischen einen Biagi von einem di Sarli unterscheiden, und wenn Pugliese aufge...

Anfänger? Oder Fortgeschrittener? Oder beides?

Für den Tango scheint es sehr wichtig zu sein, die Fähigkeiten der Tänzer in verschiedene Stufen einzuteilen. Da gibt es Unterricht, der sich spezifisch an Anfänger oder an die Mittelstufe wendet, Da gibt es Workshops nur für Fortgeschrittene bis hin zur Masterclass. Oder das genaue Gegenteil: Es gibt Workshops zur Musikalität oder zur Kommunikation im Paar, die angeblich für Tänzer aller Niveaus geeignet sind. Die Meinungen darüber, was einen fortgeschrittenen Tänzer ausmacht, gehen dabei allerdings weit auseinander. Für die eine Tanzschule reicht dafür schon ein Jahr Tanzerfahrung, bei einer anderen sollte man bei genau dem Lehrer, der den Workshop leitet, das Curriculum bis zum Ende der Mittelstufe erfolgreich abgeschlossen haben.  Ich persönlich finde das alles sehr verwirrend, insbesondere den Anspruch, die Fähigkeiten eines Tango Tänzers in einem einzigen Attribut beschreiben zu wollen. Ich habe  in diesem Blog Beitrag  die drei Säulen vorgestellt, auf denen meiner ...

Ja wie denn nun?

Als New Kid on the Blog finde ich es immer wieder faszinierend, in die Entwicklungen vor meiner Zeit als Tango Blogger hineinzuschauen. Heute möchte ich mich mit dem richtigen Tango Unterricht beschäftigen. Grundlage für diesen Artikel sind Beiträge der beiden Tango Blogger Kollegen  Gerhard Riedl  und  Jochen Lüders . Die beiden verbindet eine innige Männerfreundschaft: Seit mehr als sieben Jahren bekriegen sie sich und lassen kein gutes Haar am jeweils anderen.  Seit knapp drei Jahren streiten sich die beiden um den richtigen Tango Unterricht. Lüders hat vorgelegt und 2020  in diesem Blog Beitrag  seine Vorstellungen von einem guten Unterricht ausführlich dargelegt. Riedl hat 2022 seine Gegenposition  beschrieben. Diese wurde unmittelbar danach von Lüders  in diesem Blog Beitrag  auseinander genommen. Das konnte Riedl natürlich nicht auf sich sitzen lassen und hat nun  auf den Beitrag geantwortet . Was wiederum  diese Antwort ...

Verbunden im Hier und Jetzt

Als Ingenieur und Naturwissenschaftler mag ich esoterische Begriffe eigentlich gar nicht. In diesem Fall komme ich aber leider nicht drum herum: Die Verbindung im Paar zwischen Führendem und Folgender kann man nicht wirklich erklären, sondern man muss sie spüren und erleben, um sie zu verstehen und anzuwenden. Die grundsätzliche Idee der Verbindung besteht darin, dass Führender und Folgende die körperlichen Signale des anderen wahrnehmen und in eigene Bewegungen umsetzen, ohne dass eine physische Kraft zwischen den beiden wirkt. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, und ich habe auch keinerlei Literatur dazu gefunden. Wer hierüber mehr weiß, möge sich bitte bei mir melden. Die Wahrnehmung der Signale kann sowohl über direkten Körperkontakt erfolgen als auch rein durch Beobachtung des Gegenüber. Sie ist also insbesondere unabhängig von einer bestimmten Art der Umarmung. Das ist ein großer Vorteil gegenüber den Arten der Führung, die mit "Push" und "Pull" oder ...

Führen und Folgen

In meinen anderen Blog Beiträgen habe ich mehrfach den Begriff "Führungsimpuls" verwendet. In diesem Beitrag möchte ich nun genauer erläutern, was ich darunter verstehe. Anlass sind einige Beschreibungen zum Thema "Führung", die ich den letzten Tagen gelesen habe und die zumindest in meinen Augen sehr skurril sind.  Zum Beispiel beschreibt der bekannte Tango-Blogger und Tango-Lehrer  Jochen Lüders Führung so : " beim Führen handelt es sich letztlich um simple Physik (Impulsübertragung bzw. ‑erhaltung) [...] Wenn der Mann jetzt seinen Oberkörper nach links dreht, spürt die Frau in ihrer linken Hand Druck und Zug in ihrer rechten. Nach dem Prinzip der Impulsübertragung bzw. ‑erhaltung (im Idealfall „action = reactio“) gibt sie dem Druck nach und folgt dem Zug und dreht ebenfalls ." Der bekannte Tango-Blogger und Buchautor Gerhard Riedl  beschreibt Führung so : "Die Impulsübertragung Kennen Sie dieses nette physikalische Spielzeug, bei dem etliche Metall...