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Es werden Posts vom Mai, 2024 angezeigt.

Kurznotiz 10: Carlos Copello

Ich habe mir nach einigen Jahren den Film "Tango Lesson" von Sally Potter zum zweiten Mal angesehen. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, fand ich ihn grauenvoll: Der Film ist eine einzige Selbstbeweihräucherung von Sally Potter: Sie nimmt eine einzige Stunde Tango-Unterricht, geht dann vier Wochen lang in Buenos Aires auf Milongas und schon tanzt sie auf einem Niveau, mit dem sie zusammen mit einem Pablo Veron vor großem Publikum auf der Bühne tanzen kann. Ja, nee, is klar. Nachdem ich immer wieder gehört habe, dass es sich um einen Kultfilm der Tango-Szene handelt, habe ich ihn mir nun doch noch ein zweites Mal angesehen, dieses Mal aber mit dem Blick auf die anderen Darsteller. Dabei ist mir ein interessanter Punkt aufgefallen, mit dem ich mich näher beschäftigen möchte: In dem Film werden drei völlig unterschiedliche Tanzstile gezeigt. Die neutrale Mitte wird dargestellt von Gustavo Naveira und Fabian Salas. Die beiden tanzen schön, mit guter Technik und sie haben Spa...

Kurznotiz 8a: Wie ich übe

Mein letzter Blog Beitrag hat bei einigen Leserinnen für Irritationen gesorgt. Sie befürchten, dass ich meine Tanzpartnerinnen nur als "Tanzsportgerät" verwende und wehren sich (völlig zu Recht) dagegen. Diese Annahme hat allerdings nicht das Geringste mit der Realität zu tun. Vielleicht hilft ein konkretes Beispiel beim Verständnis, wie ich meine Technik weiterentwickle: Am letzten Freitagabend war ich auf einer Milonga bei uns in der Nähe. Im Laufe des Abends habe ich mit einer Bekannten getanzt, die vollberufliche Tangolehrerin ist und zusammen mit ihrem Mann in mehreren Städten im Umkreis Tango Argentino unterrichtet. Nach unserer Tanda habe ich ihr gesagt, dass ich aktuell an meiner Umarmung arbeite, und ich habe sie gefragt, ob ihr irgendetwas aufgefallen ist, was ich verbessern könnte. In der Tat hatte sie noch einen Tipp für mich in einem Detail, das ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Meine nächste Tanda tanzte ich dann mit einer Frau, mit der ich vorher noch nie ...

Kurznotiz 9: Teaching Emotion in Tango

Dringende Leseempfehlung: Teaching Emotion in Tango Dem ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen.

Kurznotiz 8: Warum ich nicht mit Dir tanzen möchte

In den letzten Tagen hat der Blogger Kollege Gerhard Riedl zwei Artikel verfasst, die sich mit den Gründen beschäftigen, warum Männer oder Frauen auf einer Milonga ignoriert oder nicht aufgefordert werden. Siehe hier und hier . Die Quintessenz seiner Überlegungen: Jeder Gast einer Milonga sollte die  Verantwortung  dafür fühlen, dass es für alle ein schöner Tanzabend wird. Und dazu gehört für mich ganz selbstverständlich die Bereitschaft, auf  Tanzangebote  einzugehen.  Für (und gegen) diese Haltung gibt es viele verschiedene Gründe, die in den Artikeln und den Kommentaren dazu besprochen werden.  Ein Aspekt, der für mich zunehmend wichtiger wird, wurde in den Diskussionen allerdings bisher noch nicht betrachtet. Und darum möchte ich ihn in dieser Kurznotiz beschreiben. Ich bin bekanntlich immer noch dabei, Tango Argentino zu lernen. Und ja: Dabei benutzte ich auch die Milongas, die ich besuche, als Übungsgelände. Wenn mich die Musik gerade nicht inspiriert...

Kurznotiz 7: Pugliese / Un Baile a Beneficio

Am letzten Wochenende habe ich an der TU Darmstadt einen Workshop über die Grundlagen der Milonga durchgeführt. Ich bin da ganz sicher kein Experte. Aber aus meinen Zeiten an der Universität weiß ich: Wenn Du ein Thema wirklich verstehen willst, dann musst Du eine Vorlesung darüber halten. Und genau das habe ich getan. Und ja, ich habe dabei sehr viel gelernt. Zur Einleitung habe ich ein Stück ausgewählt, das in meinen Augen die Charakteristika der Milonga perfekt zusammenfasst:  Un Baile a Beneficio von Osvaldo Pugliese. In diesem Stück geht es um einen Benefizball.  Normalerweise wird so ein Ball von reichen Menschen veranstaltet, die Wiener Walzer tanzen und Spenden für einen guten Zweck sammeln. Dieser Benefizball ist allerdings etwas anders: Er wird organisiert von den Kleinkriminellen im Viertel. Mit dem eingesammelten Geld soll ein Kumpel von ihnen unterstützt werden, der gerade im Gefängnis sitzt.  Was ich meinen Schülern damit über die Milonga sagen will (und d...

Kurznotiz 6: Körperkontakt im Tango Argentino

Zu dieser Kurznotiz hat mich dieser Blog Artikel von Gerhard Riedl inspiriert. Gerhard stellt dort fest: In Bezug auf Frauen machen Männer überhaupt nichts  „ohne Hintergedanken“. Trotzdem ist das natürlich kein Freifahrtschein für sexuell übergriffiges Verhalten, wie er in diesem Blog Beitrag genauer erläutert. In diesem Spannungsfeld möchte ich euch ein Beispiel vorstellen, das ich vor Kurzem erlebt habe und nicht so richtig einzuordnen weiß: Auf einer Milonga tanzt ein Paar, das einen eher akrobatischen Tanzstil pflegt. Insbesondere tanzen die beiden sehr viele Hebefiguren. Das Besondere: Der Mann führt diese Hebefiguren nicht wie üblich durch die Umarmung sondern dadurch, dass er seine Tanzpartnerin an den Oberschenkeln greift und anhebt. Da sie mit kurzem Rock tanzt, landen seine Finger bei jeder Hebefigur zwischen ihren nackten Oberschenkeln. Sexuelle Belästigung ist das ganz sicher nicht, denn der Frau gefällt diese Art zu tanzen. Sie genießt jede Hebefigur, zu der er sie ...