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Warum blogge ich?

Mein Blogger-Kollege Yokoito hat mich gestern am Rande einer Milonga auf seinen neuesten Blog Artikel angesprochen. In seinem Beitrag stellt er einige Fragen zum aktuellen Stand der Tango Blogs. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, dass "probably all the stories have been told already multiple times."  Das wäre schon mal der erste Punkt, bei dem ich ihm widersprechen möchte. Ich habe meinen Blog ja genau deswegen gestartet, weil ich viele Informationen vermisse. Praktisch alle Blogs, die ich kenne, sind "von Experten für Experten" geschrieben. Für Menschen wie mich, die den Tango erst lernen wollen, enthalten sie sehr wenige brauchbare Informationen. Die Frage, die am Anfang hinter meinem Blog stand, war: "Was hätte ich gerne in meinem Tango Unterricht gelernt, von dem ich heute weiß, dass es mich zu einem besseren Tänzer macht?" Diese Geschichten wurden definitiv noch nicht mehrfach erzählt.  Und sie werden erst recht nicht unterrichtet. Ein Themenkomp...

Kurznotiz 33: Tanze Tango mit mir

Vor drei Jahren hat die ARD den Film "Tanze Tango mit mir" ausgestrahlt. In diesem Film geht es um einen Mann in der Midlife-Crisis, der nach einem Herzinfarkt den Tango Argentino für sich entdeckt. Der Film ist schon an sich sehenswert. Aber nun hat der österreichische Tango Podcast cabeceo.at noch einen draufgesetzt und ein Interview mit Michael Grimm, dem Hauptdarsteller des Films  geführt. Dieses Interview bringt tiefe Einblicke nicht nur in das Wesen des Tango, sondern vor allem auch über die Dreharbeiten zum Film und über den Beruf des Schauspielers. Mich hat insbesondere beeindruckt, wie detailliert Michael Grimm mit der Körperlichkeit seiner Figuren umgeht. Sehr inspirierend! Alle weiteren Links zum Film, der in der ARD Mediathek noch bis zum 21.08.2025 verfügbar ist, und zu den handelnden Personen findet man auf der Webseite des Podcast.

Kurznotiz 32: Flor de Tango

Carsten Buchholz hat auf seinem Blog einen interessanten Aufruf gestartet, den ich gerne unterstütze. Er hat ein weniger bekanntes Stück, das ihm gut gefällt, hergenommen und im Netz 50 (!) verschiedene Varianten gefunden, wie man dieses Stück tänzerisch interpretieren kann. Nun ruft er alle Tangotänzer dazu auf, diese Interpretationen zu vergleichen und ihm zurückzumelden, was uns gefällt und was nicht. Flor de Tango von Osvaldo Pugliese   Falls ihr die tänzerische Umsetzung kommentieren möchtet, dann tut das bitte nicht hier sondern auf seinem Blog. Update: Ich habe nun alle 50 Videos angesehen und in einer zweiten Runde die Videos genauer angeschaut, die in die engere Auswahl gekommen sind. Hier sind die Tänze, die mir besonders gut gefallen. Vorweg zwei Anmerkungen:  Erstens: Alle Tänzer tanzen natürlich deutlich besser als ich es jemals können werde. Trotzdem fallen mir einige Unterschiede auf, sowohl in der technischen Qualität als auch in der musikalischen Umsetzung. Mi...

Kurznotiz 31: Wow!

In meinem vorigen Blog Beitrag habe ich einige Vorschläge gemacht, wie man Tango Argentino insbesondere für jüngere Tänzer attraktiver machen kann. Schwerpunkt ist, dass man die Tänzer auch auf die entsprechenden Festivals und Marathons hinweist, auf denen sie sehr gute andere Tänzer treffen und zu sehr guten aktuellen Orchestern tanzen können. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle einmal kurz über meinen persönlichen Wow! Moment sprechen. Der war im März 2024 auf dem Tango Festival in Witten. Freitagabend, die zweite Milonga, natürlich mit Live Musik. Ich tanzte so gemütlich in der großen Ronda vor mich hin, als auf einmal ein anderes Paar in mein Blickfeld geriet, bei dem ich sofort dachte: "Halleluja! Das ist ja wirklich nochmal einige Level über dem, was man hier sonst noch so alles sehen kann." Wohlgemerkt: Kein Showtanz, sondern im Prinzip ganz normaler Tango de Salon. Nur eben auf einem schier unglaublichen Niveau. Wie ich hinterher herausgefunden habe, hatte ich Sil...

Eine Anmerkung zur Motivation

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Die Tangodanza hat in den letzten Ausgaben eine Diskussion zur Überalterung im Tango geführt, die auch in einigen Blogs weitergeführt wurde. Thomas Kröter hat die Diskussion aus der Tangodanza aufgegriffen, und Jochen Lüders ( hier und hier ) und Gerhard Riedl ( hier und hier ) haben sie weitergeführt.  Die beiden Letztgenannten sehen insbesondere in der Musik das größte Hindernis, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Diesen Punkt sehe ich überhaupt nicht. Ganz ehrlich: Glaubt irgendjemand ernsthaft, die Leute würden 200 Euro für eine Eintrittskarte für ein Konzert von Taylor Swift oder Helene Fischer bezahlen, weil deren Musik so unglaublich genial ist, dass selbst Igor Strawinsky vor Neid erblassen würde? Natürlich nicht.  Den entscheidenden Grund für die Überalterung nennt meiner Meinung nach Klaus Wendel in seinen Kommentaren zu Jochen Lüders: Er spricht davon, dass die meisten Tango Tänzer Tango als "gesellschaftliches Event" ansehen. Und das ist genau de...

Führende Folgende

Ich fürchte, heute muss ich mich mal so richtig in die Nesseln setzen. Es gibt einen Punkt, bei dem ich so gar nicht dem Mainstream folgen kann. Es geht um Frauen, die führen. Die allgemeinen praktischen Vorteile, die zum Beispiel Melina Sedo in diesem Interview anspricht, kann ich nachvollziehen: Frauen, die auch führen können, brauchen auf einer Milonga nicht darauf zu warten, dass sie aufgefordert werden, sondern sie können selber auffordern und kommen dadurch häufiger zum Tanzen. Wenn im Tango Unterricht von vornherein beide Rollen unterrichtet werden, dann können sich Frauen auch ohne Partner anmelden. Da es typischerweise mehr Frauen als Männer gibt, die Tango lernen wollen, kommen so insgesamt mehr Frauen zum Tango Argentino. Allerdings geht sie (und einige andere) noch weiter: Wenn eine Frau schon eine längere Erfahrung im Folgen hat, dann fällt es ihr angeblich deutlich leichter, das Führen zu lernen, und sie wird insgesamt auch die bessere Führungskraft sein. Und hier muss i...

Kurznotiz 30: Rot? Oder blau? oder beides?

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Der Tango Mentor hat vor ein paar Tagen dieses Bild veröffentlicht, das zwei völlig unterschiedliche Arten zeigt, wie Tänzerinnen und Tänzer Tango empfinden und tanzen können: In der Tat sind fühlen sich nach meinen Erfahrungen die meisten Tango Tänzerinnen und Tänzer entweder im blauen oder im roten Segment wohl. Und es gibt nur sehr wenige Tänzerinnen und Tänzer, die sich in beiden Segmenten zu Hause fühlen und beide Arten zu tanzen genießen. Mein persönliches Ziel ist klar: Ich möchte mich zusammen mit meiner Tanzpartnerin in beiden Segmenten bewegen können . Dabei werde ich mir hoffentlich mit ihr einig, ob wir die Musik am besten  auf die rote oder die blaue Art interpretieren.